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Es ist seit Langem bekannt, dass der Wechsel der Jahreszeiten unseren zirkadianen Rhythmus und unseren Schlaf beeinflusst. Die meisten Menschen verbinden intuitiv auch deutlich unterschiedliche Stimmungen im Sommer und Winter. Neue Forschungsergebnisse aus Finnland zeigen nun erstmals, wie das Gehirn seine Neurobiologie als Reaktion auf die schwankenden Tageslichtstunden im Jahresverlauf verändert.

Das Geheimnis hinter dem Winterblues

Eine Gruppe von über 20 finnischen Neurowissenschaftlern unter der Leitung von Lihua Sun am PET-Zentrum Turku und der Universität Turku untersuchte, warum die Jahreszeiten unsere Stimmung und unser Sozialverhalten so stark beeinflussen. In den skandinavischen Ländern die saisonale affektive Störungstellt großes Problem .

Beispielsweise 8 % der Schweden aufgrund des Winterblues eine Form von Depression. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu Sommertagen, an denen negative Emotionen bekanntermaßen viel leichter zu kontrollieren sind. Veränderungen des zirkadianen Rhythmus erklären jedoch nicht diese hohe Prävalenz des reduzierten Wohlbefindens; so ist beispielsweise Jetlag selbst bei Vielfliegern wie Flugpersonal nicht mit solchen Auswirkungen verbunden. Die Forschergruppe vermutete daher, dass unser Verhältnis zur Sonne neurobiologische Veränderungen hervorrufen könnte, und untersuchte diese Theorie anschließend im Labor.

Was wurde untersucht?

Die Forscher konzentrierten sich auf Veränderungen der Opioidrezeptoren im Gehirn, die bekanntermaßen eine wichtige Rolle bei der Regulierung unserer Stimmung und Emotionen spielen. Konkret untersuchten sie, ob sich die Anzahl dieser Rezeptoren im Laufe eines Jahres in Abhängigkeit von der Anzahl der Tageslichtstunden verändert.

wurden regelmäßig Messungen Positronen-Emissions-Tomographie des Gehirns durchgeführt. Dabei kam ein radioaktiver Tracer zum Einsatz, der an die Opioidrezeptoren des Gehirns bindet. 204 Freiwillige nahmen an der Studie teil.

Interessanterweise untersuchten sie sowohl Menschen als auch Ratten und nutzten die Ratten als eine Art Lackmustest, um die Auswirkungen des Tageslichts von anderen potenziellen menschlichen Einflüssen auf den mentalen Zustand zu isolieren, wie etwa Schwankungen in kulturellen oder gesellschaftlichen Trends.

Was wurde gefunden

Sowohl bei Menschen als auch bei Ratten ging die geringere Sonneneinstrahlung an manchen Tagen des Jahres mit einer signifikanten Reduktion der Opioidrezeptoren einher. Allerdings sank die Anzahl auch im finnischen Hochsommer, wenn es fast keine Nacht gibt. Optimal für das Gehirn waren Tage mit etwa 13 bis 17 Stunden Sonnenlicht, da in dieser Zeit die Rezeptoren am zahlreichsten vorhanden waren.

Ein zentrales Ergebnis war, dass diese opioidbedingten Veränderungen am häufigsten in Hirnregionen auftraten, die für unser Fühlen und die Verarbeitung emotionaler Zustände zuständig sind. Lihua Sun fasste die Ergebnisse zusammen

„In der Studie stellten wir fest, dass die Anzahl der Opioidrezeptoren vom Zeitpunkt der Hirnbildgebung abhing. Die Veränderungen waren in den Hirnregionen, die Emotionen und Sozialverhalten steuern, am deutlichsten ausgeprägt. Die durch die Schwankungen der Tageslichtmenge verursachten Veränderungen der Opioidrezeptoren könnten ein wichtiger Faktor bei saisonalen affektiven Störungen sein.“

Fazit

Es ist eine aufschlussreiche Erkenntnis, dass Sonnenlicht nicht nur unser Aussehen verändert, sondern auch einen tiefgreifenden Einfluss auf unser Gehirn hat – aus physiologischer Sicht. Es verändert buchstäblich die Grenzen unserer Wahrnehmung. Warum Menschen und vermutlich die meisten Säugetiere eine neurologische Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht entwickelt haben, ist noch unbekannt. Diese Ergebnisse zeigen jedoch, dass wir eng mit unserem nächsten Stern verbunden sind.

Die Forschungsergebnisse werfen ein neues Licht auf alternative Behandlungsansätze für die saisonale Depression, die sich auf die Neurobiologie des Gehirns konzentrieren könnten, anstatt auf Verhaltens- oder Umweltfaktoren. Sie bekräftigen zudem die Empfehlung, in den Wintermonaten Urlaub in sonnigeren Gefilden zu machen, um Körper und Geist zu regenerieren. Der durch die COVID-19-Lockdowns bedingte Ausfall von Winterurlauben hat möglicherweise die ohnehin schon bestehenden Probleme mit Angstzuständen und Depressionen verschärft oder zumindest die Bedeutung eines gesunden Lebensstils bis zum Frühjahr und Sommer 2021 unterstrichen.

Wenn Sie nach Möglichkeiten suchen, Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zu verbessern, schauen Sie sich auch diesen Blog an.

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