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Athleten investieren viel Zeit und Mühe in ihr Training, um körperlich für die Belastungen des Sports gerüstet zu sein. Sie absolvieren Kraft- und Konditionsübungen, Plyometrie und Intervalltraining, um ihre Kraft, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit, Balance, Koordination, Reflexe und Ausdauer zu verbessern. Dieser Ansatz ist durchaus sinnvoll; schließlich gilt: Je größer, schneller, wendiger und explosiver ein Athlet ist, desto besser.

Aber wenn der Körper trainiert wird, sollten Sportler dann nicht auch ihr Gehirn trainieren? Genau dieses Konzept steckt hinter der Gründung von deCervo, einem Unternehmen, das laut „The Star“ von zwei Neurowissenschaftlern gegründet wurde und sich auf Baseball spezialisiert hat. Die deCervo-Mitbegründer Jordan Muraskin und Jason Sherwin behaupten, dass es möglich ist, die Fähigkeit eines Schlagmanns, Würfe zu erkennen, zu messen und letztendlich zu trainieren. Wie „The Star“ anmerkt, geht es dabei um die Effektivität der neuronalen Verarbeitungsprozesse, die angeblich durch deCervo trainiert werden können. Sherwin nennt dies die „Entdeckung des Millionen-Dollar-Gehirns“, und es ist gleichermaßen faszinierend wie umstritten.

Fokus auf das Gehirn

der New York Times Zach Schonbrun, Kolumnist „The Performance Cortex: How Neuroscience Is Redefining Athletic Genius“, ist einer von deCervos überzeugten Anhängern. In einem Interview mit der New York Times über sein Buchäußerte Schonbrun Optimismus, dass deCervos Konzept auf fundierter Wissenschaft beruhe und sich auf nahezu jede Sportart außer Baseball übertragen lasse. „Die Idee, mithilfe der Neurowissenschaften Entscheidungsprozesse – insbesondere sehr schnelle – zu untersuchen, ist meiner Meinung nach auch in anderen Bereichen anwendbar“, erklärt Schonbrun. „Zum Beispiel in Sportarten wie Tennis, einer weiteren reaktionsbasierten Sportart, oder auch im American Football: Wie trifft der Quarterback Entscheidungen? Wie springt ein Lineman vom Ball ab? Und so weiter.“

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass deCervos Methode zumindest auch zur Erkennung von Hirnerkrankungen eingesetzt werden kann, darunter jene, die wir in „5 Risiken wiederholter Kopfverletzungen“ besprochen haben. Besonders hervorzuheben ist die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), eine degenerative Hirnerkrankung, die bei Menschen mit wiederholten Kopfverletzungen, wie beispielsweise Footballspielern, auftritt. Die NFL setzt bereits verstärkt auf Technologie, um ihre Spieler vor Gehirnerschütterungen zu schützen. Coral sprach beispielsweise über die Einführung intelligenter Helme in der Liga. Diese Hightech-Helme nutzen Sensoren und Magnettechnologie, um das Risiko von Hirnverletzungen zu erkennen und zu reduzieren. Da CTE durch die Anhäufung von Kopfverletzungen entsteht, würde eine regelmäßige Überwachung des Gehirns den Einsatz intelligenter Helme sinnvoll ergänzen.

Neuronen mithilfe von Elektrizität stimulieren

Während deCervo sich momentan eher auf die theoretische Seite konzentriert, geht Halo Neuroscience einen Schritt weiter. Das von Halo Sport entwickelte, hochmoderne, kopfhörerähnliche Wearable sendet elektrische Impulse an den motorischen Kortex. Die Idee hinter Halo Neuroscience ist, „einen Zustand der Neuroplastizität auszulösen, in dem Neuronen im motorischen Kortex leichter neuronale Verbindungen zu den Muskeln aufbauen und stärken können.“ Der motorische Kortex ist die Region, die für die Planung, Steuerung und Ausführung willkürlicher Bewegungen (wie Laufen, Springen usw.) zuständig ist. Ihn regelmäßig in einen Zustand der Neuroplastizität zu versetzen, bedeutet – zumindest theoretisch – Verbesserungen der Bewegungsfähigkeit.

Vom Labor ins Feld

Oakland Raiders Cornerback TJ Carrie nutzt Halo und schwört darauf. Er ist fest davon überzeugt, dass es ihm zu erheblichen sportlichen Fortschritten verholfen hat. Vielleicht hat es Carrie tatsächlich geholfen, denn er konnte seine Sprungkraft um 15 Zentimeter steigern und sein Kniebeugengewicht um 45 Kilogramm erhöhen. Andererseits ist es durchaus möglich, dass diese Fortschritte auch auf sein Unterkörpertraining zurückzuführen sind.

Technologie ist heute ein fester Bestandteil des Sports, und immer mehr Athleten nutzen sie, um sich einen Vorteil zu verschaffen, wie beispielsweise Carrie, die ihre Sprungkraft steigern wollte. Mit anderen Worten: Richtig eingesetzt, kann Technologie Sportlern einen Wettbewerbsvorteil und damit bessere Siegchancen verschaffen. Die Neurowissenschaften stellen offensichtlich das nächste große Forschungsfeld für Technologie im Sport dar, und die damit verbundenen Vorteile könnten beträchtlich sein.

Wie NeuroTrackersind dies nur einige Beispiele dafür, wie Technologie und Neurowissenschaften für neue Methoden der Leistungssteigerung verschmelzen, doch viele weitere Produkte rücken bereits in den Markt. In den kommenden Jahren sind große Veränderungen in der Sportwelt zu erwarten.

Dieser Blogbeitrag wurde von Gastautorin Andrea Camper für NeuroTracker verfasst.

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